Prävention in der Schuldnerberatung

Ein Bericht von Helmut Peters, Soziale Dienste Krefeld

Seit Oktober 1991 arbeite ich in der Schuldnerberatung beim Diakonischen Werk Krefeld & Viersen mit den Schwerpunkten Prävention und Öffentlichkeitsarbeit. Sechs Jahre sind schon eine lange Zeit, gemessen daran, daß Prävention meines Wissens in keiner anderen Schuldnerberatungsstelle über so lange Zeit kontinuierlich auf- und ausgebaut werden konnte. Die Stabilität konnte durch finanzielle Absicherung und personelle Kontinuität sichergestellt werden. Diese kontinuierliche Arbeit ist aber auch die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche präventive Arbeit.

Prävention braucht Zeit und Ausdauer. Allein der Aufbau und die Pflege von Kontakten, insbesondere zu Multiplikatoren, dauert lange und ist nicht durch ABM-Stellen zu gewährleisten.

Prävention ist ein weites Feld. Informationen über Hilfsmöglichkeiten und Grenzen der Schuldnerberatung, Aufklärung über Risiken und Gefahren von Ver- und Überschuldung sind für verschiedene Zielgruppen, nicht nur für Jugendliche, notwendig und hilfreich. Auch Erzieher, Ausbilder, Banker, Trägervertreter und nicht zuletzt die Politiker wissen oft (zu) wenig über die Arbeit der Schuldnerberatung. Wenn wir ihnen helfen, dieses Wissen, unsere tägliche praktische Erfahrung, weiterzugeben, dann helfen wir letztlich nicht nur den Betroffenen, sondern auch uns selbst. Je besser Ratsuchende im Vorfeld informiert sind, um so effektiver kann die Beratung sein und um so weniger Hilfe benötigen die Betroffenen. Schuldenvermeidung ist nicht das ausschließliche erklärte Ziel der Prävention, sondern umfassende Information und Aufklärung. Der Begriff Prävention greift meines Erachtens auch zu kurz bei der Beschreibung dessen, was die Arbeit umfaßt oder umfassen kann. Vielleicht muß ein neues Wort erst gefunden werden.

Steter Tropfen höhlt den Stein ...

Am Anfang konnte ich praktisch auf kein Material zurückgreifen. Ich mußte alles, was ich brauchte, neu und selbst entwickeln. Ich stellte zunächst Informationseinheiten für ABM-Qualifizierungsmaßnahmen zusammen, da bereits Kontakte zu einer Qualifizierungseinrichtung bestanden. Die Themen ergaben sich aus der Praxis der Einzelfallhilfe aus eigener Erfahrung bzw. der meiner Kollegen. Immer wieder tauchen in der Beratung gleiche Fragen und gleiche Probleme auf. Hier galt es, Arbeitshilfen zu entwerfen, die diese Themen möglichst einfach und übersichtlich darstellten. Ich sammelte alles, was sich irgendwie als Informationsmedium nutzen ließ, so z.B. Videoausschnitte, Faltblätter, Musikstücke, etc.. Was ich nicht finden konnte, entwickelte ich selbst, z. B. Folien.

Ich stellte Kontakte her zu Einrichtungen und Personen, die mittelbar oder unmittelbar mit Schuldnern zu tun hatten, z.B. soziale Beratungsstellen, Verbraucherberatung, Gerichtsvollzieher und Rechtspfleger im Amtsgericht. Diese lud ich zu den Veranstaltungen ein, um der Zielgruppe die Informationen möglichst aus erster Hand zu vermitteln. Die ersten Informationsveranstaltungen in dieser Einrichtung (Tertia GWb - Gesellschaft für berufliche Wiedereingliederung im gewerblichen Bereich) konzipierte ich für zehn Unterrichtseinheiten à 1,5 Stunden. Im Laufe der Zeit nutzte die GWb die hergestellten Kontakte zu Rechtspflegern, den Einrichtungen bzw. dem Gerichtsvollzieher dann selbständig.

Ich nahm nach und nach mit weiteren Einrichtungen Kontakt auf, die Qualifizierungsmaßnahmen des Arbeitsamtes durchführten. Die Informationsveranstaltungen sprachen sich herum. Es kamen Anfragen von anderen Einrichtungen, z B. Deutsche Angestelltenakademie, Bildungszentrum des Bauhandwerks, Volkshochschule (ABM-Qualifizierungskurse, Arbeiten-und-Lernen - Projekte, etc.)

KBM statt ABM

Viele Fachkolleginnen und -kollegen begegnen der präventiven Arbeit mit großer Skepsis - zu Unrecht wie ich meine. Der Ausbau und der Fortbestand der Schuldnerberatung läßt sich langfristig nur durch intensive Informations- und Aufklärungsarbeit sichern.

Im Vordergrund der Abwehrhaltung vieler steht der gefürchtete "Schneeballeffekt". Durch Mund-zu-Mund-Propaganda spricht sich professionelle Hilfe herum. Außerdem: Viele Informationsveranstaltungen entpuppen sich kurzfristig als Klientenbeschaffungsmaßnahmen (KBM). Wenn man in ein Wespennest sticht, scheucht man die Wespen auf. Durch intensive Information über die Tätigkeit der Schuldnerberatung werden bei den Teilnehmern Bedürfnisse nach Beratung geweckt, die vielleicht schon lange schlummern.

Versuch und Irrtum

Bei "öffentlichen" Veranstaltungen zeigt sich die Brisanz und das Tabu, das das Thema Schulden umgibt. Sobald Informationsveranstaltungen zum Thema Schulden Öffentlichkeitscharakter (mit Presseankündigung) haben, scheint auch bei Foren, die sich regelmäßig zu bestimmten Themen treffen, eine große Scheu zu bestehen, daran teilzunehmen. Die Angst, den Schutz der Anonymität zu verlieren, ist zu groß. Da bleiben dann die Initiatoren selbst bei gängigen, sonst gut besuchten Veranstaltungen, fast unter sich. Eine gewisse Flexibilität und Frustrationstoleranz muß man da als "Präventist" schon mitbringen.

Eine Veranstaltungsreihe in der Volkshochschule mit dem Titel "Auskommen mit dem Einkommen" erwies sich insofern als erfolgreich, daß sich vier - typischerweise - Frauen zu den sechs Gesprächsabenden anmeldeten. Alle hatten das gleiche Problem: Sie hatten zwar keine Schulden, aber fragten sich am Ende des Monats, wo das Geld geblieben sei. Eine klassische Präventionsveranstaltung also, bei der es um die Frage des Wie und Warum ging, bzw. darum, wie frau sich einen Überblick verschaffen kann.

Als erfolgreich und effektiv haben sich die Veranstaltungen herausgestellt, die in einen festen Rahmen eingebettet sind - z.B. ein regelmäßiges "thematisches" Frühstück im Arbeitslosenzentrum. Die Menschen, die sich in aller Regel kennen und eine gemeinsame Problematik haben, "tauen" meistens beim Thema Schulden recht schnell auf und stellen ganz konkrete Fragen.

Als "Türöffner" hat sich übrigens auch die Berliner Plakatserie "Reden über Schulden" erwiesen. Über einen Zeitraum von einem halben Jahr hingen im Wechsel jeweils vier Plakate in einer Begegnungsstätte für Alleinerziehende. Die Plakate regten die regelmäßigen Besucherinnen zu lebhaften Diskussionen über das Thema Schulden an. Allerdings war die Angst, sich auch offen dazu zu bekennen, selbst betroffen zu sein, so groß, daß eine erste Informationsveranstaltung im Begegnungszentrum mangels Teilnehmerinnen nicht statt fand. Erst durch Intervention der Leiterin konnten fünf Frauen für eine zweite Veranstaltung in den Räumen der Schuldnerberatung gewonnen werden. Zwei der Frauen kamen anschließend in die Einzelfallberatung.

Schulen, insbesondere Haupt-, Sonder-, und Berufsschulen mit sozialpädagogischer Betreuung, haben großes Interesse an den Informationen der Schuldnerberatung gezeigt, da gerade die Schüler mit geringer Qualifikation potentiell gefährdet sind, sich "über den Tisch ziehen" zu lassen. In jedem Jahr werden jeweils die Schülerinnen und Schüler der neunten und zehnten Klasse über Themen der Schuldnerberatung informiert. Die Informationen und Arbeitshilfen werden mit den Pädagogen besprochen und anschließend in der Schule nachbereitet. Hier fehlt allerdings eine kontinuierliche Evaluation. Dies soll jetzt durch ein neues Projekt: "Bank und Jugend im Dialog" realisiert werden, daß mit wissenschaftlicher Begleitung durchgeführt wird und Banken, Schulen, Schuldner- und Verbraucherberatung sowie die städtische Verwaltung an einen Tisch gebracht hat. Eine Auswertung des Projekts erfolgt im Frühjahr 1998.

Multiplikatorenschulungen

Wie bei der Einzelfallhilfe so ist auch bei der Prävention klar: Man kann nicht alles selber machen, man muß vor allem diejenigen schulen und sensibilisieren, die tagtäglich mit von Ver- bzw. Überschuldung gefährdeten Menschen zu tun haben. Als erste Zielgruppe fielen mir die Lehrer ein. Zusammen mit einem Berufsschulsozialpädagogen habe ich ein Unterrichtsmodell entwickelt, daß seit dieser Zeit auch an dieser Berufsschule mehr oder weniger regelmäßig durchgeführt wird.

Auf Interesse stößt das Thema und das Angebot an weiteren Informationen und evtl. Schulung besonders bei den Multiplikatoren, die durch eigene Erfahrung aus ihrem Alltag schon mit dem Problem der Überschuldung konfrontiert wurden, z. B. Mitarbeiter aus Jugendeinrichtungen, die Ratsuchende in die Schuldnerberatung begleitet haben. Hier muß nicht erst noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Auch bei öffentlichen Institutionen (Arbeitsamt, Sozialamt, etc.) haben meine Kollegen und ich Informationsveranstaltungen für die Mitarbeiter, für potentielle Multiplikatoren also, durchgeführt. "Gefüttert" mit Arbeitshilfen können diese Mitarbeiter wertvolle Dienste für die Schuldnerberatung leisten, indem sie die Ratsuchenden gleich an die richtige Stelle verweisen und nicht in die mehr oder weniger lange Warteschleife der Schuldnerberatungsstelle schicken.

Ehrenamtliche

Glück muß man haben - wenn es darum geht, Menschen zu finden, die neben einem großen Interesse am Thema Schulden auch das nötige Know-how mitbringen. Dieses Glück hatten wir im zweiten Jahr meiner Arbeit in Krefeld - aufgrund einer Informationsveranstaltung bei einer Erwachsenenbildungseinrichtung. Eine Versicherungskauffrau bot ihr Wissen und ihre Hilfe an. Insbesondere im Bereich Prävention - Durchführung von speziellen Informationsveranstaltungen zum Bereich Versicherung, Bausparen, Geldanlage - leistete sie wertvolle Dienste. Wir konzipierten für Erwachsenenbildungsträger in Krefeld Informations- und Bildungsveranstaltungen zu folgenden Bereichen:

Insbesondere die Baufinanzierungsseminare waren immer gut besucht. Hier stellte sich in der Regel heraus, daß Interessenten sich präventiv (vor dem Kauf oder Bau) über Möglichkeiten und Grenzen der Finanzierung erkundigten. Über die Baufinanzierungsseminare ist ausführlich in Mark(t) und Pfennig (MuP Bremen) in der Ausgabe 03-04/ 96 berichtet.

Inzwischen arbeite ich mit zwei ehrenamtlichen Kräften, die teilweise die Informationsveranstaltungen begleiten bzw. selbständig durchführen. Für die Reflexion und die Planung ist die Unterstützung sehr hilfreich.

Öffentlichkeitsarbeit

Prävention ist auch Öffentlichkeitsarbeit. Hier geht es vor allem um die Präsenz der Schuldnerberatung in den Medien. Zu aktuellen Themen haben wir regelmäßig Pressekonferenzen durchgeführt.

Eine andere Art der Öffentlichkeitsarbeit stellt die Gremienarbeit dar. Die Schuldnerberatung hat regelmäßig, mindestens einmal im Jahr im Sozial- und Gesundheitsausschuß und - projektbezogen - auch im Jugendhilfeausschuss über ihre Arbeit, insbesondere die präventive Arbeit, berichtet. Bewährt hat sich auch, den Kontakt zu den politischen Parteien sowie zu den Landes- und Bundespolitikern zu pflegen. Regelmäßig haben wir alle politischen Parteien zu uns in die Beratungsstelle eingeladen und über aktuelle Probleme informiert. Die kommunalen Bundestagsabgeordneten erhalten kontinuierlich die Protokolle des lokalen "Arbeitskreis Schuldnerberatung Krefeld". Zu besonderen Gelegenheiten bitten wir die Landes- und Bundespolitiker schriftlich um Stellungnahmen und Einflußnahme auf die Bundes- bzw. Landesgesetzgebung im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Kooperation

Von 1991 bis 1996 gab es überregional einen Ausschuß für Öffentlichkeitsarbeit, der beim Fachverband Schuldnerberatung der Diakonischen Werke im Rheinland angesiedelt war. Hier konnten die Erfahrungen und das kreative Potential von Kolleginnen und Kollegen aus der Region genutzt und gebündelt werden und Material für die Unterstützung der präventiven Arbeit regional und auch überregional erarbeitet und zur Verfügung gestellt werden.

Ein positives und seit Jahren erfolgreiches Kooperationskonzept zwischen zwei Dienststellen ist die regelmäßige Durchführung von Wochenendseminaren mit meiner Kollegin Eva Scharfenort aus Duisburg-West. Ein ausführlicher Bericht über das erste Seminar ist im BAG-SB-Info No. 3/94 und im Infodienst Schuldnerberatung 2/ 1994 aus Stuttgart abgedruckt.

Seit Anfang 2000 existiert der AK Prävention Rheinland mit Treffen in verschiedenen Schuldnerberatungsstellen im Rheinland. Das nächste Treffen ist am Montag, 12. Februar 2001 in Krefeld. Kontakt über: Dietlinde Folger-Kastrau, DW Düren; Tel.: 02421/188134.

Fortbildung/ Referententätigkeit/ Unterstützung

Im Laufe meiner Tätigkeit hatte ich viele Gelegenheiten, das Wissen, daß ich mir über Prävention und Einzelfallhilfe im Laufe der Jahre angeeignet habe, auch an andere weiterzugeben. Insbesondere in den neuen Bundesländern konnte ich seit 1991 zum Schwerpunkt Prävention und Öffentlichkeitsarbeit als Referent tätig sein. 1996 habe ich mit Ulf Groth zusammen das Handbuch für Schuldnerberatung "Prävention hat viele Gesichter" herausgegeben. Für das im November 1994 erschienene Curriculum Schuldnerberatung habe ich zusammen mit Ute König den Baustein G -Prävention - bearbeitet und erstellt. Arbeitsgruppen Prävention und Fortbildungsangebote über die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung konnte ich ebenfalls mitgestalten.

Einen Lehrauftrag an der Fachhochschule Mönchengladbach mit dem Schwerpunkt Prävention nehme ich seit 1996 war. Ein weiteres Fachseminar Prävention ist für Mai 98 bei der Akademie für Recht, Verwaltung und Sozialwesen (ARS) Mönchengladbach vorgesehen. Inzwischen habe ich auch etliche Diplomanden, die ihre Diplomarbeit verschiedenen Aspekten der Prävention gewidmet haben, mit Tips, Literatur, Material und Kontakten versorgen können.

Resümee

Probleme bei der Durchführung von Prävention zeichneten sich für mich insbesondere in vier Bereichen ab: In der Zeit, in der Freiwilligkeit, in der Öffentlichkeit und in der Stellenbesetzung.

Der Versuch, das mit einem Berufsschulsozialpädagogen entwickelte Unterrichtsmodell anderen Lehrern näher zu bringen, stieß deshalb auf nur geringe Resonanz, weil die auf lokaler Ebene angebotenen Fortbildungen in der Freizeit der Lehrer lagen! Ein weiteres Handicap ist möglicherweise die Themenüberflutung an den Schulen - Was soll noch alles im Unterricht behandelt werden?!

"Pflichtveranstaltungen" in öffentlichen Institutionen während der Dienstzeit sind zwar zwangsläufig gut besucht, das tatsächliche Interesse der Mitarbeiter ist bei solchen Veranstaltungen allerdings fraglich. Daraus entwickelten sich aber zum Teil persönliche Kontakte zu Mitarbeitern, die sich positiv auf die Arbeit ausgewirkt haben.

Regelmäßige Informationen unter der Rubrik "Die Schuldnerberatung informiert" waren in der Lokalpresse nicht unterzubringen. Eine Veröffentlichung der Telefonnummer war erst nach langem Nachfragen zu erreichen. Im Lokalfunk sind nur kurze Telefoninterviews zu aktuellen Themen (z.B. Anhebung der Pfändungsfreigrenzen, 10 Jahre Arbeitskreis Schuldnerberatung, etc.) möglich.

Viele Anfragen von (privaten) Fernsehsendern habe ich abschlägig beschieden, da diese Sender überwiegend nur daran interessiert sind, Betroffene möglichst (netz-) hautnah vor die Fernsehkamera zu bekommen, was für mich nicht seriös ist.

Prävention läßt sich nicht nebenbei erledigen! Bei einer 1996 durchgeführten Befragung wurde deutlich, daß bei 60% der befragten Stellen die Durchführung an Zeit und Geld mangelte (1). Viele Einrichtungen, die Prävention mit ABM-Stellen besetzen, tragen diesem Gedanken keine Rechnung. Prävention ist auf Dauer notwendig und sollte nicht nur gelegentliches Strohfeuer sein, das schnell wieder vergessen ist. Träger von Schuldnerberatungsstellen sollten bedenken, daß die Wirtschaft Milliarden DM in Werbung steckt (1996 - 56 Milliarden DM). Öffentlichkeitsarbeit kostet Geld, führt aber auch dazu, daß öffentliche Gelder eingespart werden (2) und private Verschuldung auf lange Sicht abnimmt.

Ich hoffe, daß Prävention als Arbeitsfeld der Schuldnerberatung genauso selbstverständlich verankert wird, wie das inzwischen für die Einzelfallhilfe gilt. Was meines Erachtens noch fehlt, ist eine breitere Basis und Vernetzung der Stellen, die Prävention anbieten und vor allem ein regelmäßiger Austausch über erfolgreiche (und auch weniger erfolgreiche) Methoden, Materialien, Erfahrungen bei der konkreten Umsetzung der Prävention. Vielleicht war die Fachtagung in Berlin "Kids, Knete und Konsum" im Oktober 1997 ein erster Ansatz dazu. Auch der Fachartikel im BAG-SB-Info 3/97 über die Einrichtung einer Bundesstelle für Prävention zeigt in die richtige Richtung.

 

Nachtrag 2000

Inzwischen gibt es eine Fülle von mehr oder weniger erfolgversprechenden Ansätzen zum Ausbau der präventiven Arbeit. Die umfangreiche Literatur- und Materialliste für Schuldneprävention im Unterricht - zusammengestellt von Wolfgang Hahn, BIL Berlin und Peter Zwegat, Optimal GbR, Berlin ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür. Seit Anfang diesen Jahres gibt es einen regionalen Arbeitskreis Prävention im Rheinland. Das Projekt Bank und Jugend im Dialog ist inzwischen aus dem Modellcharakter herausgewachsen. Die Ergebnisse der ersten Projekterfahrungen sowie eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Phasen sind im Handbuch dargestellt. Das Projekt soll auch in anderen Städten ‚Schule’ machen.

In Aachen ist ein Projekt in der Entwicklung, bei dem Prävention bereits im Kindergarten und in der Grundschule beginnt.

Nach wie vor fehlt es aber bei allen guten Projektideen an bundesweiter Vernetzung und Erfahrungsaustausch. Ein möglicher Schritt hin zu diesem m.E. dringend erforderlichen Austausches könnte der Austausch der Schuldnerberatung im "Praktikerforum" des Forums Schuldnerberatung, www.forum-schuldnerberatung.de sein.

Ein Handicap dabei scheint mir die verbreitete (berechtigte?) Angst zu sein, das gute Ideen einseitig "abgekupfert" werden und von anderen als eigene Idee vermarktet werden. So lange dieses Misstrauen besteht, werden wohl nicht allzu viele Kolleginnen und Kollegen bereit sein, sich "in die Karten" sehen zu lassen. Aber vielleicht gibt es ja so etwas wie einen Ehrenkodex unter "Präventisten", sich gegenseitig zu unterstützen und nicht zu linken! Dieser Erfahrungsbericht soll dazu dienen, die Offenheit herzustellen. Ich freue mich auf hoffentlich viele Rückm(ai)eldungen.

Fußnoten
1 Jutta Frust, Diplomarbeit - Präventive Schuldnerberatung, Ist-Analyse, FH Frankfurt, 1996 Zurück
2 Joachim Becker, Oberbürgermeister der Stadt Pforzheim: "Eine sanierte Familie im Jahr deckt die kom-pletten Jahreskosten eines Schuldnerberaters. Eine Heimunterbringung eines Kindes als Folge von Fa-milienzerrüttung kostet jährlich etwa 70.000 Mark. Schuldnerberatung ist also ein Musterbeispiel für eine höchst rentable Rehabilitationseinrichtung im Sozialwesen." (Joachim Becker: Der erschöpfte Sozial-staat. Neue Wege zur sozialen Gerechtigkeit, Eichborn Verlag, 1994, S. 46) Zurück
3 Eine Übersicht über Arbeitshilfen können Sie anfordern: per Fax: 02151/3632029 (Klaus Rustenholz) oder per eMail: soziale-dienste@diakonie-krefeld.de Zurück
4 Bank und Jugend im Dialog. Ein Handbuch für Banken, Sparkassen, Schulen, Schuldner- und Verbraucherberatungsstellen, herausgegeben von Helmut Peters und Gerhard Raab. Athena-Verlag, Oberhausen. 2000. ISBN 3.932740-46-7. Preis 24,80 DM/ 12,68 EU. www.athena-verlag.de. Zurück

Helmut Peters

Email: hpre@gmx.de

Für Anregungen, Anfragen, Diskussionsbeiträge zu dem Artikel bin ich dankbar und freue mich darauf - per e-Mail unter: hpre@gmx.de oder telefonisch unter: 02151/36 32 0 39

Download des Artikels als rtf-Datei

© Forum Schuldnerberatung e.V.

Seite drucken

Mitglied werden

Spenden

Home